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Genozid mit humanitären Pausen

An die 700 Todesopfer und über 2700 Verletzte und Verstümmelte, das ist die vorläufige blutige Bilanz der israelischen Aggression gegen den palästinensischen Volksteil der anderthalb Millionen, die im Gazastreifen auf 362 Quadratkilometern eingepfercht sind, und nun seit bald vierzehn Tagen ununterbrochen Tag und Nacht bomdardiert werden, und denen jeder Fluchtweg abgeschnitten ist, denen der Zugang zu den existenziellen Grundbedingungen schon lange vor dem Krieg abgeschnürt wurde. Ein gesamtes Volk wird in seiner Heimat in Gefangenschaft gehalten, und der Gazastreifen entwickelt sich zu einem modernen Auschwitz.

Der Gazastreifen ist durch die Invasoren in zwei Teile getrennt worden. Wohngebiete, Stromversorgung, Verkehrsnetze, Schulen, Moscheen, Behörden und öffentlichen Dienste, darunter Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Spitäler sind teilweise zerstört, und von vielen Einrichtungen bleiben nur Ruinen übrig. Mit der Verwendung von Phosphorbomben und abgereichertem Uran zielen die Aggressoren darauf ab, möglichst fürchterliche Wirkungen hervorzurufen, wie zum Beispiel unlöschbare Verbrennungen, die Haut und Fleisch mit 1400 Grad Celsius verkohlen und mit unvorstellbaren Schmerzen verbunden sind. Es fehlt an Schmerzmitteln, die dieses Leiden lindern könnten. Es fehlt an Blutkonserven und Medikamenten. Die Opfer hungern und frieren. Aus der Luft, von den Kriegsschiffen und aus Artilleriegeschossen donnert es auf die palästinensiche Bevölkerung ein und kein Zufluchtort ist sicher vor den Bomben. Israel wählt unter den Zielen für seine Bomben auch Einrichtungen und Zufluchtsstätten der UNO und beschiesst ebenso Notfalltransporte von Kriegsopfern.

Militärische Lage

Die humanitäre Lage ist katastrophal und die militärische Lage steht sehr ungünstig für die Palästinenser. Die Invasoren vermeiden einen eigentlichen Häuserkampf, sie gehen so vor, dass sie ein Gebiet zuerst weiträumig zerstören, bevor sie es betreten. Die Verteidigungsmöglichkeiten beschränken sich auf das Abfeuern von Kurzstreckenraketen, oder auf Fallen, in welche die Eindringlinge gelockt und vernichtet werden. Allem Anschein nach kann das Vordringen der hochgerüsteten israelischen Armee damit nicht aufgehalten werden. Immerhin gelang es, einige Feinde kampfunfähig zu machen. Die israelische Seite gab Tote und Verletzte zu, will diese Verluste aber als versehentlichen Freundbeschuss auf das eigene Konto buchen. Es ist klar, dass die Verteidigungskräfte die Verwandlung des Gazastreifens in ein Blutbad nicht verhindern können. Das kann nur von aussen gestoppt werden.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Attacke auf Gaza auch als Öbungsmanöver, Waffentest und Hauptprobe für einen geplanten grösseren Militärschlag gedacht gegen Syrien oder Iran gedacht ist. Auch dem Libanonkrieg 2008 ging ein Massaker im Gazastreifen voraus. Die Mobilisierung der Volksmassen zum Protest gegen die Metzelei im Gazastreifen und zur Solidarisierung mit dem heldenmütigen Existenz- und Freiheitskampf des gemarterten palästinensischen Volkes ist ein wichtiger Beitrag, um diese Pläne zu vereiteln und zum Scheitern zu bringen.

Nachrichtensperre und Kriegspropaganda

Israel verweigert die Einreise von Journalisten oder internationalen Beobachtern in den Gazastreifen. Es will keine Zeugen für seine Bluttaten. Es kann sich der Unterstützung der imperialistischen Hauptmächte gewiss sein. Diese werden nie um eine Ausrede verlegen sein, wenn es gilt, die allmähliche Abschlachtung der Palästinenser zu decken. Derzeit sind das die “Kassam”-Raketen. Sie machen viel Lärm und haben in all den Jahren aufsummiert zwar einigen Schaden angerichtet, aber nur einen Bruchteil des Schadens, den Israel während des Waffenstillstands durch seine zahlreichen Überfälle den Palästinensern beifügte, und nur einen winzigen Bruchteil des Leidens, den eine einzige Stunde des laufenden Krieges erzeugt. Nicht wegen dieser Raketen, ganz im Gegenteil, gerade weil es keine besseren besitzt, um die Aggressoren zu verscheuchen, wird dieses Volk mit Krieg überzogen.

Hunderttausende wenn nicht Millionen sind inzwischen weltweit auf die Strasse gegangen, um ihre Abscheu über die zionistischen Verbrechen und die Komplizenschaft der westlichen Regierungen zu äussern und den sofortigen Stopp des Blutvergiessens zu verlangen. Nur vereinzelte Regierungen stellen sich auf den Standpunkt der Völker, darunter die Regierung von Venezuela, die den Botschafter von Israel zum Teufel gejagt hat. Die Internetseite der KP Venezuelas führt eine umfangreiche BOYKOTTLISTE von Marken und Produkten, welche mit Israel in engere Verbindung gebracht werden. (Die Seite wird offenbar rege konsultiert, der Server ist jedenfalls andauernd überlastet.)

Völkermord mit Denkpause der UNO

Die internationale Gemeinschaft behauptet nach wie vor, dass sie nach einer Lösung sucht. Die UNO hat sich als unfähig erwiesen, dem Blutvergiessen ein Ende zu setzen und überhaupt irgend eine Resolution zu fassen. Sie zeigt sich machtlos gegenüber Israels Ankündigung, dass es sich in seinen Entscheiden ohnehin nicht an eine UNO-Resolution gebunden fühle. Der Uno-Sicherheitsrat hat seine Beratungen zu den Kämpfen im Gazastreifen nach drei Tagen für eine – man will es kaum glauben – “Denkpause” unterbrochen, da er sich nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen konnte.

Das einzige, wozu sich Israel derzeit bequemen will, ist der Einbau von humanitären Korridoren und Pausen in den Genozid am palästinensischen Volk. Seine Forderung nach vollständiger Entwaffnung und noch weitergehender Wehrlosmachung der Opfer wird vom ganzen imperialistischen Lager lebhaft unterstützt.

(8.1.2009/mh)

 

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