23.1.2026, Fabio Vighi: «Die erfolgreiche Paranoia»
Wie wir den systemischen Kollaps verleugnen und uns dabei in der Barbarei der Kriegsökonomie wiederfinden
Fabio Vighi, Professor für Philosophie und kritische Theorie an der Universität Cardiff, erläutert in seinem Vortrag die kollektive Verleugnung des Endes der kapitalistischen Produktionsweise, die Wahngebilde des Finanzkapitalismus und wie sie uns in eine neue Barbarei des Krieges führen. Der Vortrag im Volkshaus Zürich ist in Englisch und wird simultan übersetzt.
Volkshaus Zürich, 19 Uhr, Blauer Saal
In seinem Vortrag bedient sich Fabio Vighi Jacques Lacans Begriff der «Erfolgreichen Paranoia». Damit bezeichnet der französische Psychoanalytiker einen psychischen Mechanismus, durch den es dank einem wahnähnlichen Zustand gelingt, «bei Verstand» zu bleiben. Vighi überträgt dies auf unsere Gegenwart: Obwohl unsere heutige Welt von einer wahnhaften Ersatzrealität strukturiert wird, scheinen die sich darin bewegenden Subjekte scheinbar normal zu funktionieren. Mit diesem Wahn meint Vighi den kollektiven Glauben – ein gesellschaftlich sanktioniertes, kollektives Wahngebilde –, dass die zu Ende gehende kapitalistische Produktionsweise gesellschaftlichen Reichtum auch in Clouds, Plattformen, Finanzmärkten und Algorithmen erschaffen kann. Dieses luftige Reich führt aber nicht zu Wohlstand, sondern zu Krisen. Der Wahn indes muss aufrechterhalten bleiben, und damit auch die Krisendynamik. Es ist diese Krisendynamik insbesondere des Finanzsektors, die die heutige Politik vor sich hertreibt, indem sie sie zwingt, immer neue Notlagen und scheinbare «Lösungen» zu erfinden. Neuestens im Ausblick auf eine in Europa geradezu enthusiastisch willkommen geheissene Kriegswirtschaft, die uns definitiv in die Barbarei führen wird.
Der Wahn ist der Versuch, den ökonomisch-systemischen Kollaps mit «Sinn» zu stopfen. So bringt Vighi Psychoanalyse und Politische Ökonomie zusammen.
Am Abend kann Fabio Vighis eben auf Deutsch erschienene Buch Unverwertbar. Wahnvorstellungen einer zusammenbrechenden Welt, Promedia 2025 (engl. Orig. Unworkable. Delusions of an imploding civilisation, Sunny Press 2022) bezogen werden.
Die Veranstaltung ist Teil einer Vortragsreihe «Kapitalismus im Krisenmodus», die unter der Losung «Offene Debatten» steht.
Organisiert werden die Vorträge gemeinsam von Linksbündig.ch und der Partei der Arbeit Basel.
Die weiteren Vortragstermine der Reihe im Volkshaus Zürich:
- 13. Februar 2026: Pascal Lottaz, «Die integrale Neutralität der Schweiz» – Warum sie aus linker Perspektive notwendig ist.
- 20. März 2026: Fabian Scheidler, «Friedenstüchtig», wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen.