Die Schweiz-Vertretung der türkischen Vatan-Partei vor dem Palais de Rumine in Lausanne. Hier wurde 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet, mit dem die moderne Türkei nach ihrem Sieg über die imperialistischen Mächte ihre Souveränität zurück erlangte. Der Protest richtet sich gegen die Verletzung jener Vertragsbestimmungen, welche die Rechte der Orthodoxen Kirche in der Republik Türkei umschreiben.
Weshalb die Vatan-Partei auf der Einhaltung des Vertrags von Lausanne beharrt
Der Nato-Krieg gegen Russland spielt sich an vielen Fronten ab, auch kulturellen. Eine davon sind die Bestrebungen, in Osteuropa die Orthodoxe Kirche zu spalten. In der Ukraine wird das seit 2019 unter Regie des nationalistischen Regimes mit der Konstituierung einer neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine vorangetrieben. Seither werden die Kirchen der traditionellen ukrainischen Orthodoxie beschlagnahmt, widerspenstige Gläubige, die sich oft in den Kirchen verbarrikadieren1, mit roher Gewalt vertrieben und Priester, die sich dem Regime nicht unterordnen wollen, zusammengeschlagen. Im Internet zirkulieren zahlreiche Videos, die solche Übergriffe dokumentieren, bei denen auch schon mal mit einem Bulldozer Kirchentüren eingerammt2 werden. Dem Metropoliten von Kiew, Erzbischof der traditionellen Ukrainischen Orthodoxen Kirche, wurde vom Selenskij-Regime die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen.
Diese Spaltungsbestrebungen in der Orthodoxen Kirche Osteuropas sind Teil einer langfristigen Strategie westlicher Geheimdienste zur Untergrabung der kulturellen Autorität, welche das Moskauer Patriarchat auf die Orthodoxie ausübt. In dieser Strategie ist der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, eine wichtige Schachfigur. Gemäss dem internationalen Vertrag von Lausanne eigentlich nur für die orthodoxen Gemeinden der Türkei zuständig, versuchen ihn die westlichen Drahtzieher als Gegenpol zum Patriarchen von Moskau aufzubauen, wobei – wie immer bei solchen Operationen – viele Geldmittel fliessen. Mit dem Titel «Ökumenischer Patriarch» hat sich Batholomaios eine Scheinlegitimation zugelegt, um über seine Zuständigkeit hinaus Spaltungstendenzen in der Orthodoxie Osteuropas zu schüren.
An diesem Punkt nun setzt der Protest der Vatan-Partei, die ihm in Lausanne Ausdruck gegeben hat, an. Die marxistisch-leninistische Partei sieht in der vom Westen orchestrierten Amtsanmassung des Konstantinopler Patriarchen eine Verletzung des Vertrags von Lausanne, die für die Türkei negative Konsequenzen zur Folge haben könnte, weil sie eine Provokation für Russland darstellt. Vatan befürchtet eine Gefährdung der türkischen Beziehungen zu Russland. Sie wirft denn auch der türkischen Regierung vor, die Einhaltung des Vertrags von Lausanne sträflich zu vernachlässigen. Der Vertrag hat für das Land einen hohen symbolischen Stellenwert. Denn die junge türkische Republik konnte 1923 dank ihrem Sieg über die imperialistischen und grossgriechischen Mächte durch diesen Vertrag der Aufteilung und Zerstückelung des Landes ein Ende setzen.
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Mit der nachfolgenden Pressemitteilung hat die Schweiz-Vertretung der Vatan-Partei eine Erklärung zu ihrem Auftritt vor dem Palais de Rumine in Lausanne abgegeben:
12. April 2026
Wir werden es nicht zulassen, dass der Vertrag von Lausanne verletzt wird!
Wir stehen vor diesem historischen Gebäude in Lausanne. Dieses Gebäude hat für uns Türken auch eine symbolische Bedeutung. Die Unabhängigkeit, die die Türkei im nationalen Befreiungskrieg mit dem Blut der Märtyrer errungen hat, wurde der Welt durch den in diesem Gebäude unterzeichneten Vertrag von Lausanne verkündet.
Wir gedenken mit Respekt insbesondere des Helden von Lausanne, İsmet İnönü1, sowie aller Helden von Lausanne.
Wir sind in Lausanne, weil der Vertrag von Lausanne verletzt wird. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel in der Türkei hält sich nicht an die Bestimmungen des Vertrags von Lausanne und verletzt somit die Souveränität der Türkei.
Der ökumenische Anspruch des Patriarchats bedeutet, «der Führer aller orthodoxen Christen weltweit» zu sein. Das Patriarchat von Konstantinopel ist jedoch eine Einrichtung, die dem Landratsamt Fatih unterstellt ist. Der Ökumenische Patriarch Dimitrios Bartholomaios verletzt durch die Verwendung des Titels «Ökumenischer Patriarch» auf nationalen und internationalen Plattformen die Souveränitätsrechte der Republik Türkei und tätigt Erklärungen und Aktivitäten, die gegen die verfassungsmässige Ordnung verstossen.
Wie im Vertrag von Lausanne festgelegt, ist das Patriarchat eine religiöse Institution, die den griechisch-orthodoxen Gemeinden in Istanbul, [und den beiden Inseln] Bozcaada und Gökçeada dient. Die Handlungen und Aussagen des Patriarchen ausserhalb dieses Rahmens sowie seine Selbstbezeichnung als ökumenisch haben weder eine historische noch eine rechtliche Grundlage. Der Patriarch begeht faktisch eine Straftat, indem er den Vertrag von Lausanne missachtet.
Das Patriarchat zielt zugleich auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Russland ab und wird als Instrument eingesetzt, um die Türkei in einem Kriegsszenario zu isolieren.
Patriarch Bartholomaios hat nicht nur gegen die Türkei und Russland gehandelt, sondern dies auch im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des US- Aussenministeriums getan und an einer CIA-Operation teilgenommen. Die Gründe für seine Handlungen, mit denen er die Gesetze der Republik Türkei und internationale Abkommen missachtet, die Türkei in Zypern und auf Gökçeada als Besatzungsmacht bezeichnet und die Türken des Massakers beschuldigt, werden nun umso klarer.
Obwohl das Patriarchat dem Landratsamt Fatih unterstellt ist und keine entsprechende Befugnis besitzt, erlaubte es 2019 die Gründung des Ukrainischen Patriarchats, um die Russische Kirche zu spalten. Die Gründung dieses Patriarchats war ein religiöser Provokationsschritt des Westens gegen Russland. Bartholomaios ging noch weiter und trug dazu bei, dass dem Erzbischof der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, Metropolit Onufrij von Kiew und der ganzen Ukraine, die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Bartholomaios unterstützte religiöse Zwangsmassnahmen innerhalb der Ukraine.
Darüber hinaus unterstützte Bartholomaios lokale Nationalisten und Neonazis in Litauen, Lettland und Estland, um die dortigen Kirchen von der Russischen Kirche zu trennen.
Dieses Problem ist in erster Linie ein Problem der Türkei! Das Säen von Zwietracht zwischen der Türkei und Russland kann nur als ein Projekt der USA erklärt werden.
Kürzlich hat die Ukraine ein türkisches Schiff, das russisches Öl transportierte, vor dem Bosporus angegriffen. Dass die türkische Regierung darauf nicht reagiert hat, ist bemerkenswert. Der ukrainische Präsident Selenskyj besuchte in der vergangenen Woche die Türkei, wobei eine seiner wichtigsten Stationen Patriarch Bartholomaios war. Die Solidarität Bartholomaios’ mit der Ukraine, die das türkische Schiff angegriffen hat, setzt sich auf allen Plattformen hartnäckig fort.
Die Republik Türkei kann zu dieser Situation nicht länger schweigen! Wir rufen die türkische Regierung dazu auf, Massnahmen gegen das Ökumenische Patriarchat zu ergreifen, das den Vertrag von Lausanne verletzt, unsere Beziehungen zu unseren Nachbarn untergräbt, an CIA-Operationen beteiligt ist und verfassungs- sowie rechtswidrige Aktivitäten durchführt!
Hasan Kemahlı Vertreter der Vatan-Partei in der Schweiz
1 Mediennachweis: Bewaffneter Angriff von ukrainischem Militär auf eine orthodoxe Kirche in Tscherkassy. Telegram
2 Mediennachweis: Vertreter der Regime-hörigen Kirche beschlagnahmten mit Hilfe eines Baggers die Kasaner Kirche der Ukrainischen Orthodoxen Kirche in der Region Winnyzja. Die Gemeindemitglieder wurden aus der Kirche in die Kälte hinausgeworfen und der Erzpriester Jewgeni Worobjow, zusammengeschlagen (Quelle: Ukrainische Union orthodoxer Journalisten). Telegram
3 İsmet İnönü (Mustafa İsmet Pascha) als erster Premierminister Atatürks einer der Schöpfer der modernen Türkei.