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Die sozialdemokratische Knesset-Abgeordnete Naama Lazimi bei einer Demonstration gegen die Netanjahu-Regierung, 2025. (Foto: Wikimedia Commons)

In der zionistischen Linken gilt schon als progressiv, wer «nur» für Apartheid ist

Naama Lazimi wird als aufstrebender Stern der israelischen Linken (bzw. was heutzutage als Linke bezeichnet wird) gefeiert. Doch, wenn sie nicht gerade die genozidale Entwicklung in der israelischen Gesellschaft und Politik rechtfertigt, plädiert sie für eine Rückkehr zur guten alten Apartheid.

von JONATHAN OFIR, 28. August 2026 in Mondoweiss

Gut möglich, dass Sie noch nichts von ihr gehört haben. Aber Naama Lazimi ist heute die Nummer 2 in der israelischen zionistischen «linken» Partei «Die Demokraten», die vom ehemaligen General und stellvertretenden Generalstabschef der Armee, Yair Golan, angeführt wird. 

Lazimi ist jedoch ein Fortschritt gegenüber Golan, der nach dem 7. Oktober bekanntermassen für das wahllose Aushungern der Palästinenser im Gazastreifen plädierte. Lazimi hingegen hat die Befürwortung eines Völkermords aufgegeben und fordert stattdessen die Rückkehr zur guten alten Apartheid.

Wer sich heutzutage in Israel «nur» für die Apartheid einsetzt, gehört im zionistischen Parteienspektrum bereits zur äusseren Linken, und genau hier wird Lazimi als Hoffnungsträgerin gefeiert. Die liberale Tageszeitung Haaretz bezeichnete sie in einem ausführlichen Porträt der Politikerin, das Anfang des Monats gut 7500 Wörter umfasste, als «Superstar der israelischen Linken, und sie will die Macht».

Die Linke schneidet in Umfragen im Vorfeld der anstehenden israelischen Wahlen am 27. Oktober generell schlecht ab – genau wie die derzeitige rechte Koalition. Der grösste Herausforderer des Likud ist momentan Gadi Eisenkots Partei Jaschar mit rund 24 von 120 Sitzen. Eisenkot ist übrigens der Architekt der Dahiya-Doktrin, einer Politik des wahllosen Tötens, die den aktuellen Völkermord im Gazastreifen leitet. Das Bennett-Lapid-Bündnis «Gemeinsam», das im April noch 25 Sitze erwartet hatte, ist inzwischen auf unter 15 abgerutscht.

Da also keine Partei eine klare Mehrheit erringen kann, sucht die Linke nach einer Spitzenkandidatin, die eine breitere israelische Wählerschaft ansprechen kann – und Naama Lazimi weiss, wie das geht.

Eine «politische Ordnung ohne einen palästinensischen Staat»

Am Montag war Lazimi in der Sendung «This Morning» des öffentlich-rechtlichen Senders Kan zu Gast, wo sie ihre politische Vision gegenüber den Palästinensern darlegte: «Es ist notwendig, in der kommenden Legislaturperiode eine politische Ordnung anzustreben, die keinen palästinensischen Staat hervorbringt.»

Nun ja, das kann man zumindest als Ehrlichkeit bezeichnen.

Wie ich bereits vor fast einem Jahrzehnt an dieser Stelle schrieb, war ein palästinensischer Staat für Zionisten schon immer nur eine Fiktion. Selbst Jitzchak Rabin versicherte dem israelischen Parlament genau einen Monat vor seiner Ermordung im Jahr 1995, dass die Oslo-Abkommen (von denen viele glaubten, sie zielten auf eine «Zwei-Staaten-Lösung» ab) in Bezug auf Palästina zu «weniger als einem Staat» führen würden.

Dies war stets ein zentraler Punkt des Zionismus. Der Zionismus, als siedlerkoloniales Unterfangen, war nie darauf ausgelegt, die Existenz Palästinas zuzulassen, sondern es durch die jüdische Vorherrschaft Israels zu ersetzen.

Und was ihren Zionismus angeht, ist Lazimi eine überzeugte Anhängerin dieser Idee. Das Haaretz-Porträt erwähnt ihr Treffen mit Beduinenpädagogen, bei dem sie erklärte, was der Zionismus für sie bedeutet:

«Als Zionist möchte ich Ihnen etwas sagen. Der Zionismus, den sie [die rechtsgerichteten, religiösen Zionisten] hierher gebracht haben, ist ein verzerrter Zionismus. Zionismus bedeutet für mich gleiche Rechte für alle, die im Land leben. Meiner Ansicht nach widerspricht die Misshandlung der arabischen Gesellschaft, nicht nur der Beduinengesellschaft, dem Zionismus.»

Diese Aussage selbst ist eine gravierende Verzerrung der zionistischen Realität. Gleiche Rechte sind dem israelischen Apartheidregime, vom Fluss bis zum Meer, ein Gräuel. Die saisonalen ethnischen Säuberungen und sogar der Völkermord an Palästinensern basierten stets auf dem Verständnis, dass Palästinenser eine «demografische Bedrohung» darstellten, da der Zionismus ihre Vertreibung oder ihr Verschwinden als Gründungsprinzip für die Errichtung einer jüdischen politischen Mehrheit benötigte.

Und was ist mit der Besatzung? In dem Haaretz- Profil stellt der Interviewer Moran Sharir die Frage: «Hat Ihre Partei nicht das Banner des Kampfes gegen die Besatzung aufgegeben?»

«Zu verschiedenen Zeitpunkten, ja», antwortet sie.

«In den letzten vier Jahren.»

«Nein. In den letzten vier Jahren waren wir die einzige Partei, die dieses Thema angesprochen hat», antwortete sie. «Aber sehen Sie, auch innerhalb der Partei gibt es unterschiedliche Meinungen dazu, und das ist gut so. Es gibt keine einheitliche Argumentationslinie. Eine demokratische Partei zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Bandbreite an Ansichten zulässt.»

«Wo würden Sie sich auf diesem Spektrum einordnen?», hakt Sharir nach.

«Ich bin sowohl Teil des sicherheitsdiplomatischen Diskurses, der die Trennung als Weg zur Sicherheit sieht, als auch des Menschenrechtsdiskurses, der hier auch universelle, jüdische und menschliche Normen fordert», antwortet Lazimi.

Die von Lazimi beschriebene «Trennung» ist Gegenstand eines breiten Konsenses in Israel. Ein anderes Wort dafür ist: Apartheid.

Ausreden für Völkermord

Sharir konfrontiert Lazimi mit ihrer Position zum Völkermord in Gaza, den er aufgrund des Hungers und der «wahllosen Tötung von Kindern, Frauen und älteren Menschen» sowie der «völkermörderischen Rhetorik von Personen in der Regierung, den Medien und dem Militär» als «humanitäre Katastrophe» bezeichnet.

Lazimi verteidigte sich. «Wir haben uns dagegen ausgesprochen. Auch wenn es nicht mit der von Ihnen erwarteten Intensität war.»

«Mal abgesehen von der Intensität. Wie kommt es, dass ich nie etwas davon gehört habe?», entgegnete Sharir.

«Wir haben uns oft geäussert. Ich denke, Yair [Golan, Vorsitzender der Demokraten] ist die prominenteste Figur, die eine öffentliche Diskussion darüber angestossen hat», stammelte Lazimi.

Ja, derselbe Yair Golan, der wenige Tage nach dem 7. Oktober sagte, dass es «verboten sei, humanitäre Hilfsaktionen» in Gaza zuzulassen, und der argumentierte: «Wir müssen ihnen sagen: Bis die [Gefangenen] von unserer Seite freigelassen werden, könnt ihr verhungern. Das ist völlig legitim.»

Über ein Jahr später liess er diesem Glanzstück eine weitere genozidale Aussage folgen : «Wir würden alle gerne eines Frühlingsmorgens aufwachen und feststellen, dass 7 Millionen Palästinenser, die zwischen dem Meer und dem Fluss leben, einfach verschwunden sind.»

Er analysiert: Der Traum ist offensichtlich nicht realistisch, also ist die die zionistische Linke «bewundernswerterweise» bereit, den Völkermord aufzugeben, weil er eben nicht durchführbar ist. Die typischen «Es-ist-komplex»-Gutmenschen-Liberalen.

Aber auch über Gaza äussert Lazimi ihre Trauer.

«Vergessen Sie für einen Moment die Strategie. Wie haben Sie sich auf menschlicher Ebene angesichts der Ereignisse in Gaza gefühlt? Als Bürgerin, als Mensch, als Mutter?», fragt Sharir.

«Manchmal schmerzt es mich, wenn ich investigative Journalistenberichte lese, egal ob sie über Gaza oder über uns handeln», sagt sie. «Die Frage ist, was auf dem Weg dorthin geschah, was wir zurückliessen, wie viel verbrannte Erde wir angerichtet haben. Natürlich mache ich mir darüber Gedanken.»

Doch sie beeilt sich, ihr Mitgefühl einzuschränken. «Letztendlich sind wir eine Gesellschaft, die sich in jeder Hinsicht mit einer vielschichtigen Realität auseinandersetzen muss», erklärt sie ausweichend. «Diese vielschichtige Realität lässt einem nicht immer die Fähigkeit, die Geschehnisse so unvoreingenommen wie möglich zu betrachten, und das bedauere ich auch … Aber ich muss akzeptieren, dass wir mit allem gleichzeitig zu tun haben.»

Laut Lazimi war es diese «Überlastung», die es der israelischen Gesellschaft unmöglich machte, die Geschehnisse genauer zu betrachten. Israel war schliesslich «eine von einer Katastrophe heimgesuchte Gesellschaft».

«Du musst verstehen», konnte man sie fast sagen hören. «Du musst die Notwendigkeit des Völkermords verstehen.»

Mit ihren ausgeprägten Fähigkeiten im zionistischen Weisswaschen ist es kein Wunder, dass sie in linken Kreisen zu einem solchen Superstar geworden ist. Vielleicht wird sie eines Tages Premierministerin.

Der Artikel von Jonathan Ofir wurde von der US-amerikanischen alternativen Plattform Mondoweiss übernommen.