Mao Zedong, 26. Dezember 1893 bis 9. September 1976
Ohne Mao wäre China nicht die Nation, die die Welt in Erstaunen versetzt
Mao Zedong, der vor fünfzig Jahren verstorben ist, hat China vereint und modernisiert. Er passte das Beste der westlichen politischen Tradition, den Marxismus, an die chinesischen Verhältnisse an und legte so den Grundstein für Chinas spektakulären Aufschwung. Unter grossen Schwierigkeiten hinterliess er ein gewaltiges Erbe, das seine Nachfolger erfolgreich weitergeführt haben.
von BRUNO GUIGUE, 13. September 2026
Ein Vierteljahrhundert lang, von 1949 bis 1976, stand Mao Zedong an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der Welt. Es war eine turbulente Zeit, geprägt von Krisen und Gewalt. Doch das Land wurde vereinigt, modernisiert und ausgestattet. Nicht ohne Schwierigkeiten erhob es sich aus seinen Trümmern. Industrialisierung, Schulbildung, Agrarreform, steigende Lebenserwartung, Abschaffung des Patriarchats und eine Politik zugunsten ethnischer Minderheiten: Mao Zedong hinterliess seinen Nachfolgern ein Land, das durch die grösste Revolution unserer Zeit verwandelt worden war.
Ein unter Chinesen weit verbreiteter Satz verdeutlicht das Urteil über ihre historischen Führer: «Mao hat uns wieder auf die Beine gebracht, Deng hat uns reich gemacht, Xi hat uns mächtig gemacht».
Entgegen einer weit verbreiteten Legende ist der Beitrag der maoistischen Ära in wirtschaftlicher Hinsicht weitgehend positiv. Oft wird China mit Südkorea oder Taiwan verglichen, doch diese kleinen Staaten profitierten von massiver Hilfe seitens der Vereinigten Staaten, während China unter westlichen Wirtschaftssanktionen litt. Was Japan betrifft, so war es bereits vor dem Krieg eine Industriemacht und profitierte nach 1945 von einem von den Vereinigten Staaten finanzierten Wiederaufbau, ohne dabei auch nur den geringsten militärischen Einsatz leisten zu müssen.
China hingegen, das ab 1960 völlig isoliert war, war gezwungen, seine Entwicklung aus eigener Kraft und unter der Bedrohung durch eine imperialistische Aggression voranzutreiben. Unter diesen schwierigen Bedingungen industrialisiert es sich in rasantem Tempo, baut moderne Infrastrukturen auf und bricht mit einem jahrtausendealten sozialen Archaismus. Stolz startet es 1975 seinen ersten Satelliten. Zwischen 1952 und 1978 verzwanzigfacht sich die Schwerindustrie, die Leichtindustrie verzehnfacht sich. Auch im nuklearen Bereich sind Chinas Fortschritte beeindruckend. 1964 zündet das Land seine erste Atombombe, und zweieinhalb Jahre später folgt die erste thermonukleare Bombe.
Abgesehen von den beiden chaotischen Jahren 1967 und 1968 lag das Wirtschaftswachstum Chinas im Durchschnitt über dem der meisten Entwicklungsländer. Seine Industriekapazität entsprach bei der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 derjenigen Belgiens. Bei Maos Tod im Jahr 1976 war China die sechstgrösste Industriemacht der Welt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Land der drittgrösste Kohleproduzent der Welt, der grösste Produzent von gesponnener Baumwolle und der zweitgrösste Getreideproduzent.
Diese wirtschaftlichen Erfolge gehen mit einem tiefgreifenden sozialen Wandel einher. Das China unter Mao hat nichts mehr mit dem archaischen und von Elend geprägten Land von 1949 zu tun. Auf dem Land hat die Bauernschaft endlich das unveräusserliche Recht auf Land erlangt. In den Städten hat die Revolution einen Egalitarismus in den Alltag eingebracht, der sich in einer strengen Regulierung der Löhne und einer breiten Palette kollektiver Leistungen widerspiegelt: Wohnungen zu sehr niedrigen Mieten, Gemeinschaftskantinen mit drei nahezu kostenlosen Mahlzeiten sowie ein Kranken- und Mutterschaftsversicherungssystem, das vollständig vom staatlichen Unternehmen getragen wird.
Als beispielloses soziales Experiment ist die durch die «Kulturrevolution» geprägte chinesische Gesellschaft kollektivistisch und genügsam: Sie ist zwar viel ärmer, aber auch deutlich egalitärer als die heutige chinesische Gesellschaft. Mit einer heute nicht mehr vorhandenen Originalität zielt sie darauf ab, die Trennung zwischen körperlicher und geistiger Arbeit sowie zwischen Führungs- und Ausführungsaufgaben zu überwinden. Diese Trennung existiert zwar durchaus, da es Führungskräfte und Arbeiter, Ingenieure und Techniker gibt, wird jedoch durch die direkte Beteiligung der Führungskräfte an der materiellen Produktion untergraben.
Die städtischen Führungskräfte verbringen nämlich zwei Tage im Monat in den Volkskommunen. Im Industriebetrieb sind es die Mitglieder der Geschäftsleitung, die in der Produktion mitarbeiten müssen, entweder in den Werkstätten, die bei der Erfüllung des Plans im Rückstand sind, oder in der einen oder anderen Werkstatt, je nach den Vorlieben oder handwerklichen Fähigkeiten des Einzelnen. Man kann sich heute kaum vorstellen, wie eine solche Gesellschaft funktioniert. Entschlossen, echte Gleichheit herzustellen, löst sie die sozialen Klassen auf. Um dies zu erreichen, begnügt sie sich nicht damit, Privilegien abzuschaffen, sondern bemüht sich auch, die Spezialisierung einzuschränken: Was den Einzelnen auszeichnet, ist schlecht, was ihn in der Masse aufgehen lässt, ist vorteilhaft.
War dieser Wille, den Menschen zu verändern, ein Wagnis? War der von der Kulturrevolution geförderte Egalitarismus eine zum Scheitern verurteilte Utopie? Man kann die Geschichte nicht neu schreiben, indem man den Film rückwärts abspult, und niemand weiss, was aus China geworden wäre, hätte es das von Mao Zedong geschaffene System beibehalten. Hätten wir die lange Stagnation einer strengen und genügsamen Gesellschaft erlebt, die dafür von den sozialen Übeln befreit gewesen wäre, die Kapitalismus und Individualismus mit sich bringen? Oder einen tiefgreifenden Mentalitätswandel, eine anthropologische Transformation, aus der ein «neuer Mensch» hervorgegangen wäre, der sich dem Gemeinwohl verschrieben hätte – um den Preis einer permanenten Umgestaltung der Denkweisen? Oder gar der rasche Zusammenbruch eines kollektivistischen Systems, das zu zwanghaft war, um sich dauerhaft durchzusetzen, wobei die Ermüdung der Bevölkerung schliesslich die revolutionäre Begeisterung besiegen würde?
Niemand weiss es. Die einzige Gewissheit ist, dass die chinesische Revolution trotz allen Fehlern und Schwierigkeiten einen kollektiven Wohlstand hervorgebracht hat, den das chinesische Volk zuvor nicht kannte. Geprägt vom voluntaristischen Handeln des «Grossen Steuermanns» waren die «Mao-Jahre» Jahre unaufhörlichen Fortschritts in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Bildung und Gesundheitswesen. In den Augen der [im Westen] vorherrschenden Geschichtsschreibung gilt die kommunistische Revolution jedoch lediglich als verhängnisvolle Episode im Verlauf der chinesischen Geschichte, als Moment der Irreführung zwischen zwei Phasen des Aufschwungs. Erst mit der «Reform und Öffnung» ab den 1990er Jahren habe sie einen neuen Aufschwung erlebt. Diese Erzählung will um jeden Preis im spektakulären Erwachen des schlummernden Drachen das wundersame Werk der Öffnung zur Welt nach der kollektivistischen Abschottung sehen.
Ein kritischer Blick einer westlichen Intelligenz, die den Kommunismus verachtet, nachdem sie ihn einst verehrt hat? Zweifellos, und die Analyse gewinnt nicht an Objektivität, wenn die gesamten Errungenschaften der maoistischen Ära ausgelöscht oder diskreditiert werden. Gemäss dieser Version der Geschichte sollen in jenen fünfundzwanzig Jahren keinerlei wirtschaftliche Fortschritte erzielt worden sein. Hätte es den Grossen Sprung nach vorn und die Kulturrevolution nicht gegeben, hätte China seine Wirtschaft auf dieselbe Weise entwickelt wie Hongkong, Taiwan, Singapur und Südkorea. Dabei werden bei der Analyse der ungünstigen Faktoren jedoch die gigantische Grösse des Landes, die unvorstellbare Armut einer hungernden Bauernschaft, der enorme anfängliche Rückstand und die Feindseligkeit der kapitalistischen Welt ausser Acht gelassen!
Bei genauer Betrachtung der Fakten bricht der Mythos der «maoistischen Katastrophe» wie ein Kartenhaus zusammen. Trotz den schrecklichen Misserfolgen in den Jahren von 1959 bis 1961 und der Unruhen von 1966 bis 1968 verzeichnet China Erfolge, ohne die man die Schnelligkeit und Effizienz der darauf folgenden Reformen nicht verstehen kann: 1976 hatte das Land seine industrielle Revolution vollzogen, die «grüne Revolution» setzte dort verspätet ein, und die Infrastruktur einer modernen Wirtschaft ist vorhanden. Zwar ist das Land nach wie vor sehr arm und weist alle Merkmale eines Entwicklungslandes auf. Doch man muss das Vergleichbare auch vergleichen: Den anderen Entwicklungsländern geht es weitaus schlechter.
Vergleicht man China mit den anderen Ländern der «Dritten Welt», so ist der Erfolg des Chinas unter Mao auch im Bildungsbereich beeindruckend. Die Mobilisierung der gesamten Gesellschaft hat den Analphabetismus spektakulär zurückgedrängt: Von 85 Prozent im Jahr 1949 sank er auf unter 15 Prozent im Jahr 1975. Zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte werden Kinder systematisch eingeschult, ohne jegliche Unterscheidung nach Geschlecht oder Herkunft. Besser noch: Die jungen Schüler, die in der Schule unterrichtet wurden, wurden zu Lehrern zu Hause. Im China der Mao-Ära waren es die Schulkinder, die stolz darauf waren, die Meisterleistung des Erlernens der Schriftzeichen vollbracht zu haben, und diese nun ihrerseits ihren Eltern und Grosseltern beibrachten.
Der Maoismus bedeutet auch die Emanzipation der Frau, die durch das grosse Familiengesetz von 1950 vom althergebrachten Patriarchat befreit wurde: Es führte die Gleichstellung der Geschlechter ein, erlaubte Scheidung, Verhütung und Abtreibung und verbot Zwangsheirat, Kinderheirat sowie Heirat gegen Bezahlung. Begünstigt durch diesen gesellschaftlichen Wandel sind auch im Gesundheitswesen beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen, wo der Kampf gegen Unterernährung, die Ausrottung von Epidemien und die Verbreitung von Hygienevorschriften zu einer spektakulären Verlängerung der Lebenserwartung führten: Ausgehend von 36 Jahren im Jahr 1949 erreichte sie 1976 64 Jahre – ein Ergebnis, das deutlich über dem weltweiten Durchschnitt lag und den Wert Indiens zur gleichen Zeit um zehn Jahre übertraf!
Unter dem Preis strenger kollektiver Disziplin hat sich das China unter Mao aus dem Elend befreit und die Fesseln der Unterentwicklung endgültig gesprengt. Bislang undenkbare Fortschritte wurden erzielt, wodurch die notwendigen Voraussetzungen für weitere Entwicklungen geschaffen wurden. Natürlich ging diese Revolution mit erheblichem sozialem Druck einher: Das China der Jahre 1950–1975 war eine kollektivistische Gesellschaft, in der sich der Einzelne strenger Disziplin unterwerfen, ständig Rechenschaft ablegen und gegebenenfalls teilweise übermässige Repressionen erdulden musste.
War die Entwicklung diesen Preis wert? Auch wenn die Chinesen von heute diese Zeit nicht noch einmal durchleben möchten, wissen sie doch sehr wohl, dass die von Deng Xiaoping eingeleitete «Reform und Öffnung» erst durch die übermenschlichen Anstrengungen der vorangegangenen Periode ermöglicht wurde. Im Gegensatz zu den Westlern erkennen sie an, dass es – trotz den Kursänderungen – durchaus eine Kontinuität und nicht nur einen Bruch zwischen dem Maoismus und dem Post-Maoismus gibt.
Daher unterscheidet sich ihre Sicht auf Mao Zedong stark vom vorherrschenden Diskurs im Westen. Während der Kulturrevolution (1966–1976) hatten viele Intellektuelle und Führungskräfte unter den Ausschreitungen der Roten Garden und der revolutionären Fraktionen zu leiden, die sich in einem gewalttätigen Wettstreit um die grösste Radikalität befanden. Dennoch schliessen sich die meisten Chinesen heute der von Deng Xiaoping geäusserten Einschätzung über Mao Zedong an: 70 Prozent positiv, 30 Prozent negativ. Ein unter ihnen weit verbreiteter Satz verdeutlicht das Urteil über ihre historischen Führer: «Mao hat uns wieder auf die Beine gebracht, Deng hat uns reich gemacht, Xi hat uns mächtig gemacht».
Die ganze Verbundenheit, die die Chinesen Mao trotz seinen Irrtümern entgegenbringen, rührt in der Tat daher, dass sie ihn mit der wiedergewonnenen nationalen Würde identifizieren. China war zersplittert, durch die japanische Invasion und den Bürgerkrieg verwüstet. Mao hat es befreit und vereint. Im Jahr 1949 war es das ärmste Land der Welt. Sein Pro-Kopf-BIP betrug die Hälfte des afrikanischen und weniger als drei Viertel des indischen. Doch während der maoistischen Ära bekräftigte China seine Souveränität, die Jugend erhielt Schulbildung, Epidemien wurden besiegt, die Produktion stieg stetig an, das Land rüstete sich aus und industrialisierte sich im Eiltempo.
In der im Westen vorherrschenden Geschichtsschreibung dominiert die «schwarze Legende»: Als «blutrünstiger Despot» habe Mao Zedong China auf dem Altar seiner tödlichen Utopien ruiniert. Die Auswahl der Quellen widerspiegelt eine solche Voreingenommenheit. Ein Autor wie Simon Leys, den französische Medien in den Himmel heben, wird beispielsweise als «der einzige westliche Intellektuelle» bezeichnet, der angesichts der «Schrecken» des Maoismus seine «Klarheit» bewahrt habe: Stellt er Mao nicht als einen vor Hochmut aufgeblasenen Tyrannen dar, der sein Land in den Abgrund treibt? Ein chinesischer Autor wie Mobo Gao hingegen wird weitgehend ignoriert: Hat er in seinen Werken vielleicht den «Fehler» begangen, die maoistische Ära aus der Perspektive der Arbeiter und Bauern zu betrachten? Seiner Ansicht nach hat der Zeitraum von 1949 bis 1976 kollektiven Wohlstand gebracht und egalitäre Werte verbreitet, die öffentliche Gesundheit verbessert und den Analphabetismus besiegt.
Wem soll man also glauben? Dem belgischen Intellektuellen, der die Kulturrevolution von seinem Hotelzimmer in Hongkong aus kommentierte, oder dem chinesischen Intellektuellen, dem Sohn kleiner Bauern aus Jiangxi, der diese Zeit in seinem Heimatdorf erlebt hat? Wenn man eine Bilanz der maoistischen Ära ziehen will, muss dies auf der Grundlage dessen geschehen, was das chinesische Volk erlebt hat, und nicht nach den wechselnden Launen der westlichen Intelligenz. Dass Simon Leys seinen Hass auf den Kommunismus zum Ausdruck bringt, ist nicht das Problem – hingegen die Tatsache, dass er die Realitäten, die Mobo Gao konkret erlebt hat, von A bis Z ignoriert, was sein Urteil entkräftet.
Zugegeben, heute sind sich alle einig, dass der grösste Misserfolg der maoistischen Ära der «Grosse Sprung nach vorn» war. Massloser Ehrgeiz, fragwürdige technische Entscheidungen, mangelhafte Arbeitsorganisation – all diese Faktoren haben sich summiert und die Katastrophe ausgelöst. Zumal zu den menschlichen Fehlern noch klimatische Katastrophen hinzukamen: Ein Drittel der Anbauflächen litt 1959/60 unter einer Frühjahrsdürre, gefolgt von verheerenden Taifunen, während das westliche Embargo China den Import von Getreide untersagte. Erschwerend kam hinzu, dass Chruschtschow im Sommer 1960 infolge der Verschlechterung der Beziehungen zur UdSSR den Abzug der sowjetischen Techniker anordnete. Schlimmer noch: 1959 brach in Tibet, angezettelt von der CIA, ein von der Aristokratie angeführter bewaffneter Aufstand aus, der nicht nur in dieser weitläufigen Provinz, sondern auch in Sichuan und Qinghai Unruhe stiftete.
Die daraus resultierende Hungersnot zwischen 1959 und 1961 war verheerend. Doch sie war nicht die erste, die China erlebt hatte. Seit der Han-Dynastie zählen chinesische Historiker 1828 Hungersnöte, also fast eine pro Jahr. Im 19. Jahrhundert forderte die schreckliche Hungersnot von 1879/80 in Shaanxi zwischen 9 und 13 Millionen Todesopfer. Im 20. Jahrhundert wurde China von mehreren Hungersnöten heimgesucht: 1928/29, 1936, 1942/43 und 1946. Doch diese wiederkehrende Geissel ist nicht nur auf widrige Wetterbedingungen zurückzuführen.
In einem 1992 veröffentlichten Bericht zeigt der Schriftsteller Liu Zhenyun, dass die Hungersnot 1942/43 in Henan 3 Millionen Tote (bei einer Bevölkerung von 30 Millionen) forderte. Seine Schlussfolgerung hinsichtlich der politischen Verantwortung der nationalistischen Regierung ist unmissverständlich. Diese Katastrophe ereignete sich aufgrund der Gleichgültigkeit von Chiang Kai-shek gegenüber der hungernden Bevölkerung. Ganz zu schweigen von den Steuern, mit denen die Bauernfamilien weiterhin belastet wurden, und der Korruption der nationalistischen Verantwortlichen, die einen Grossteil der Nahrungsmittelhilfe auf dem Schwarzmarkt weiterverkauften.
Auf jeden Fall war die Hungersnot von 1959 bis 1961 tatsächlich die letzte, und das sozialistische Regime ist das erste in der Geschichte des Landes, das das Gespenst dieser jahrtausendealten Geissel endgültig gebannt hat. Abschliessend sei noch angemerkt, dass die Bilanz in Bezug auf die menschlichen Verluste umstritten ist. Um die maoistische Ära zu diskreditieren, wird die Zahl der Opfer von Autoren, deren Medienpräsenz umgekehrt proportional zur Seriosität ihrer Arbeiten ist, wie ein Ballon aufgeblasen. Als statistischer Trick wird dabei willkürlich die Bevölkerungswachstumsrate von 1949 als Normwert festgelegt und die arithmetische Differenz dann der Hungersnot des «Grossen Sprungs» zugeschrieben. Auf der Grundlage fantasievoller Hochrechnungen sprechen manche Autoren von 30 oder 40 Millionen Toten.
Eine Schätzung, die nicht seriös ist und durch Untersuchungen widerlegt wird, die zeigen, dass es während der drei Jahre der Hungersnot unter Berücksichtigung der Sterblichkeitsrate der Vorjahre einen Überschuss von 8,3 Millionen Todesfällen gab. Die heutige Sichtweise auf ein Ereignis wie den «Grossen Sprung nach vorn» ist zudem durch das Fehlen eines internationalen Vergleichs verzerrt. Dabei genügt es, die besten indischen Quellen zu konsultieren, um interessante Erkenntnisse zu gewinnen. Laut dem Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen hat das moderne Indien nie unter einer Hungersnot wie der des «Grossen Sprungs» gelitten, aber «es verzeichnete im Vergleich zu China im selben Zeitraum eine Übersterblichkeit von fast 4 Millionen pro Jahr». Somit starben allein in diesem geografischen Raum mehr Menschen an den Folgen dieses gescheiterten kapitalistischen Experiments (über 100 Millionen Tote) als an den Folgen des gescheiterten kommunistischen Experiments seit 1917 überhaupt.»
Weit entfernt von den Erfindungen der westlichen Propaganda ist die wahre Bilanz des Maoismus, die das chinesische Volk heute zieht: Ohne Mao wäre China niemals aus der Misere dieses «Jahrhunderts der Demütigungen» herausgekommen, das mit den Opiumkriegen im Jahr 1839 begann. Die Geschichte wird es beurteilen: Trotz seinen Fehlern und Widersprüchen ist Mao der Führer, der diesem Abstieg in die Hölle ein Ende gesetzt, die Souveränität Chinas wiederhergestellt und eine riesige Nation auf den Weg einer eigenständigen Entwicklung gebracht hat.
In der schrecklichen Atmosphäre der grossen Revolutionen des 20. Jahrhunderts gelang es Mao tatsächlich, die seit Jahrtausenden unterdrückten Bauernmassen davon zu überzeugen, zu den Waffen zu greifen und sich aus eigener Kraft zu befreien. Indem er das Beste der westlichen politischen Tradition, den Marxismus, an die chinesischen Verhältnisse anpasste, legte er den Grundstein für einen spektakulären Aufschwung. Seine Nachfolger hatten die Klugheit, Reformen umzusetzen, die es ermöglichten, dieses Erbe fruchtbar zu machen und einen «Sozialismus mit chinesischen Merkmalen» aufzubauen, dessen Ergebnisse heute die Welt in Erstaunen versetzen.
Bruno Guigue, Absolvent der ENA, ehemaliger Spitzenbeamter, Gastprofessor an der Pädagogischen Universität Südchinas. Autor von «L’Odyssée chinoise, de Mao Zedong à Xi Jinping», Editions Delga, 2025. Der Text ist in Bruno Guigues Substack-Kanal erschienen und wurde von uns mit Hilfe von DeepL übersetzt.
Ein unter Chinesen weit verbreiteter Satz verdeutlicht das Urteil über ihre historischen Führer: «Mao hat uns wieder auf die Beine gebracht, Deng hat uns reich gemacht, Xi hat uns mächtig gemacht».