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Führungswechsel in der Portugiesischen KP: Paulo Raimundo löst Jerónimo de Sousa ab

von Stefano Araujo

Es ist Samstagabend, 5. November 2022, als ein Sondercommuniqué der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) die Redaktionen der wichtigsten portugiesischen Medien erreicht: Der Generalsekretär der Partei, Jerónimo de Sousa, kündigt seinen sofortigen Rücktritt von seinem Amt als Parteivorsitzender und als Abgeordneter in der Versammlung der Republik an. Nach 18 Jahren an der Spitze der portugiesischen Kommunisten verlässt der charismatische Sekretär aus gesundheitlichen Gründen nach reiflicher Überlegung sein Amt. An seiner Stelle, so heisst es in derselben Mitteilung, hat die PCP-Führung beschlossen, Paulo Raimundo als neuen Sekretär vorzuschlagen. Eine Woche später, am 12. November, wählte ihn das Zentralkomitee auf einer nationalen Konferenz einstimmig.

Auch wenn der Rücktritt von Jerónimo de Sousa nicht allzu überraschend kam, da seine gesundheitlichen Probleme schon seit einiger Zeit bekannt waren – während des letzten Wahlkampfs für die Parlamentswahlen wurde er notfallmässig am Herzen operiert – und er selbst erklärte, dass es sein Ziel sei, bis zu den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Partei (im März 2021) Parteichef zu sein, überraschte die Wahl von Raimundo alle ein wenig. In Portugal war seit einiger Zeit von einer möglichen Nachfolge die Rede, an der der junge João Ferreira, ehemaliger Europaabgeordneter und derzeitiger Stadtrat in Lissabon, und João Oliveira, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Kommunisten in der Versammlung der Republik, beteiligt gewesen wären. Stattdessen entschied sich die Führung für Paulo Raimundo, obwohl Jerónimo selbst verriet, dass es von Anfang an keine Einigkeit über seinen Namen gab.

Jerónimo de Sousa (Mitte) übergab den Staffelstab an der Spitze der PCP an Paulo Raimundo (erster von rechts).

Aber wer ist Paulo Raimundo? Warum wurde er für das wichtigste Amt innerhalb der Kommunistischen Partei Portugals vorgeschlagen und gewählt? Raimundo wurde 1976, zwei Jahre nach der Nelkenrevolution, in eine einfache Arbeiterfamilie geboren. Während seines Studiums arbeitete er ununterbrochen und half seinen Eltern. Er arbeitete als Tischler, Bäcker und Kulturanimateur. Während seiner Schulzeit engagierte er sich in der Studentenbewegung. Indem er gleichzeitig arbeitete und studierte, lernte er die verschiedenen Realitäten der Arbeitswelt und der Gewerkschaftsbewegung kennen. Im Jahr 1991 trat er der Kommunistischen Jugend Portugals bei und wurde 1995 Jugendkader. Im Jahr 1994 trat er der PCP bei und arbeitet seit 2004 als Funktionär für die Partei. Er wurde in die Gemeindeversammlung von Sétubal gewählt und 1996 auf dem XV. Kongress der PCP erstmals in das Zentralkomitee gewählt. Im Jahr 2000 wurde er Mitglied der Politischen Kommission des Zentralkomitees der Partei. Im Jahr 2016 (XX. Kongress) wurde er in das Sekretariat des Zentralkomitees gewählt.

Wie man sehen kann, ist Paulo Raimundo innerhalb der Partei nicht nur als Funktionär gewachsen, sondern hat nach und nach immer wichtigere Führungspositionen eingenommen. Seine Erfahrung als Student und Arbeiter, seine profunde Kenntnis der Strukturen der PCP führten dazu, dass die Partei im Namen der Erfahrung und der Kontinuität beschloss, ihm das Spitzenamt zu übertragen. Dem Genossen Raimundo fällt die wichtige Aufgabe zu, die Partei nach dem bescheidenen Ergebnis der letzten nationalen Wahlen wiederzubeleben und die PCP wieder als konstruktive Oppositionskraft gegen die rechtsgerichtete Politik der derzeitigen absoluten Mehrheitsregierung der portugiesischen Sozialisten zu profilieren.
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Der Text ist am 19. Dezember 2022 in sinistra.ch erschienen.