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Kosten für Afghanistankrieg explodieren

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt die Gesamtkosten der Beteiligung Deutschlands am Afghanistankrieg für wesentlich höher ein als bisher gedacht.

Für den Fall, dass sich die Deutschen schon 2011 aus Afghanistan zurückziehen, belaufen sich die Kosten immer noch auf 18 bis 33 Milliarden.

Als realistisch hält die DIW-Studie das Szenario eines schrittweisen Rückzugs bis 2013. Diesfalls bewegen sich diese Kosten zwischen 26 und 47 Milliarden Euro; also um den Mittelwert 36 Milliarden.

Im Falle eines gesteigerten Engagements Deutschlands in den Krieg würden die deutschen Kosten auf 53 bis 91 Milliarden anschwellen.

Diese Zahlen stehen im Widerspruch zum offiziellen Kriegsbudget, das für das laufende Jahr 1,06 Milliarden beträgt. Dieser Zahl der Bundesregierung setzt das DIW eine doppelt so hohe gegenüber, und kommt für das Jahr 2010 zu einer Belastung von fast 2 Milliarden Euro, Zinsen noch nicht inbegriffen. Schon in den Vorjahren zeigt sich eine Diskrepanz zwischen den Budgets und den tatsächlich getätigten Ausgaben.

Deutschland ist seit Kriegsbeginn 2001 am Afghanistankrieg beteiligt. Die damalige Regierung Schröder/Fischer hatte argumentiert, eine deutsche Kriegsbeteiligung sei nötig, um auf die Ereignisse des 11. September 2001 zu reagieren, den Terrorismus und namentlich die Taliban und Al Kaida zu bekämpfen.

Die Kosten des Krieges sind erst allmählich ins Zentrum der Diskussionen um diesen Krieg gelangt, nachdem sich die Kriegsoperationen seit bald neun Jahren hinziehen, und noch keines der angegebenen Kriegsziele erreicht wurde.

Die Zahl der deutschen Soldaten wurde in den ersten Kriegsjahren von 1’200 auf 2’400 und dann auf 3’000 erhöht. Seit 2007 wurde nochmals massiv aufgestockt. Heute liegt die deutsche Truppenstärke in Afghanistan bei 5’350 Soldaten.

Es handelt sich bei alledem wie gesagt immer nur um die Kosten Deutschlands. In Afghanistan stehen aber insgesamt weit über 100’000 Soldaten der USA und der NATO. NATO-Generalsekretär Rasmussen erklärte, dass die westliche Allianz werde so lange in Afghanistan bleiben werde, wie dies nötig sei. Die NATO-Militärs und die westlichen Diplomaten rechnen mit einer Fortdauer des Krieges und ihres Militär-Engagements um mehrere Jahrzehnte. In dieser Richtung haben sich auch einige geäussert, darunter der britische General David Richards, seit 2009 Generalstabschef, ebenso der britische Botschafter in den USA, Sir Nigel Sheinwald.

(26.05.2010/mh)

Hauptquelle: diw.de | DIW-Wochenbericht 21/2010: Eine erste Schätzung der wirtschaftlichen
Kosten der deutschen Beteiligung
am Krieg in Afghanistan
(als PDF)


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