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Bella Ciao in Pjöngjang

Von Davide Rossi

Es ist erholsam, sich im Schatten der Statue des geflügelten Pferdes von Chollima aufzuhalten, im Herzen von Pjöngjang, und gemeinsam mit den koreanischen Genossen Die Internationale und Bella Ciao zu singen, in den Tagen von Mitte April, die schon nach Frühling duften, während noch sibirische Winde herrschen, wie sie gewöhnlich in dieser Saison Korea durchwehen.

Anlässlich eines Treffens über das marxistisch-leninistische Denken in Korea, das sich kreativ durch die von Kim Il Sung ausgearbeitete Juche-Idee entfaltet, des Vaters der koreanischen Heimat und Gründers der sozialistischen Nation, der gerade in seinen jüngeren Jahren der imperialistischen Aggression begegnete und Widerstand leistete und danach aus den Trümmern das Volkskorea von heute aufgebaut hat.

Der koreanische Sozialismus, eingebettet in den grösseren Zusammenhang der sozialistischen Nationen Asiens, von China bis Laos, von Vietnam bis zur Mongolei, zeigt sich – auch jenseits von den internationalen Spannungen, die von den Vereinigten Staaten heraufgeschworen werden – fähig, seinen Bürgern jenen Sinn für Zusammengehörigkeit zu übertragen, welcher aus einer tiefen ideologischen Sicht des Lebens und des Alltags entspringt. Die Koreaner sind sich in jedenfalls völlig bewusst, dass es sich beim Recht auf Wohnung, Schule, Bildung, Gesundheit, Arbeit und auf Schutz der Alten um Errungenschaften handelt, die auf dem langen Weg des Aufbaus des Sozialismus erreicht worden sind.

Zur Bestätigung dessen, dass den Studiengruppen über die Juche-Idee eine sektiererische Interpretation über die koreanische sozialistische Lehre fernliegt, mögen die bei ihren Treffen zahlreich gemachten Bezugnahmen auf die Religion gelten: die Religion wird als Teil der persönlichen und kollektiven Identität der Einzelnen und der Völker betrachtet, so dass etwa der afrikanische Vertreter solcher Studiengruppen ein praktizierender Moslem ist.

Die Parade selbst vom 15. April zur Feier des 105. Geburtstags von Kim Il Sung, die von den westlichen Medien als Demonstration der koreanischen Martialität dargestellt wurde, war – weit über das in Bewegung gesetzte militärische Waffenarsenal hinaus – Gelegenheit zur einer grossen Beteiligung der Bevölkerung, mit Belegschaften von Arbeitern aus allen Sektoren.

Einmal mehr zeigt sich Volkskorea als normale Nation, die ihre territoriale Integrität, ihre Unabhängigkeit und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Nationen für eine multipolare Welt verteidigt.

Es ist gewiss zu wünschen dass in den kommenden Jahren, im Verhältnis zur Rüstungsindustrie, vermehrt Technologien mit zivilen Anwendungen gefördert werden können, von Solarstromanlagen bis zur Computerindustrie.

In gleicher Weise ist es wohl ratsam, dass Korea einen verstärkten Dialog mit den Regionalmächten aufnehmen sollte, auch um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China und Russland bestmöglich anzukurbeln, was auch eine Verbesserung verschiedener Infrastrukturen, wie Strassen und Eisenbahnen, sowie eine breitere Verfügbarkeit von modernen Instrumenten und Hilfsmitteln für die Arbeit in der Landwirtschaft herbeiführen könnte.
Eine Phase von Entspannung und Dialog würde es zweifellos Korea gestatten, mit mehr Entschlusskraft und grösserem Erfolg jene Reformen anzupacken, welche von den anderen sozialistischen Nationen der Region schon durchgeführt wurden, und würde das Land vollständig in den regionalen und weltweiten Kontext einreihen, was auch dem Beitritt Volkskoreas zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und zur Eurasischen Wirtschaftsunion förderlich wäre.

Quelle (Orig. Italienisch): Bella Ciao a Pyongyang (sinistra.ch, 10 maggio 2017) | Übersetzung: kommunisten.ch (11.05.2017).


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